Nino Haratischwili: Die Katze und der General




Ein wuchtiger, epischer Band. Moskauer Vorstadt Tristesse. Kleinkriminalität im kalten Osten. Kinder werden in diesem Biotop gross. Die Seelen scheinen einzufrieren. Hoffnungen verwelken. Der Sensible wird von der Brutalität und dem Vulgären der Grossmacht ohnmächtig gestossen, verformt, verführt, getötet und einverleibt, zum Knecht des Unaussprechlichen, zur todbringenden Krähe.


Träume, wärme, Familie, Glück auf den ersten Blick. Gesellschaftliche Zwänge, insbesondere für Frauen auf den zweiten Blick. In fruchtbaren, üppigen Tälern, umgeben von hohen schneebedeckten Bergen, fernab der Zivilisation. In diesem urigen, ruralen Bergbiotop wagt ein tschetschenisches Mädchen Grosses zu träumen und lernt ausgerechnet bei einer russischen Aussteigerin.Der gute Feind öffnet die Augen der Unschuld. Das enge Tal wird weit, die Berge weichen und geben die Sicht auf eine interessante Zukunft. Der gute Feind flieht und die verrohten Krähen, der schlechte Feind, dringt als Krieg ins Tal. Die Bergler werden wie Ungeziefer von den Krähen weggefegt. Die verrohten Grossstadtseelen fressen die naive Träumerin.
Ein Spiel ists nur, Krieg halt? Holt das Gewissen die kaputten Seelen ein?


Am Kezenoy-See mitten in den tschetschenischen Bergen, müssen sich die Krähen der Vergangenheit stellen.

Das Buch liest sich am Anfang schwer. Die Personen werden in ihrer Zerrissenheit sehr ausführlich beschrieben. Manchmal so sehr, dass man den Faden verliert. Und doch treibt einen die Geschichte weiterzulesen. Atemlos und verstört legt man das Buch am Ende weg. Die Alpen, die Karpaten, der Taurus, der Elbrus, das Rif, der Atlas, der Hindukusch sind nicht anders als der Kaukasus. Europa und seine Kriege haben auch vor diesen Bergen nicht halt gemacht. Nur die Geschichte, welche uns erzählt wird ist aktuelle Realität und spielt nicht bei uns. 
Wenn ich aus dem Fenster schaue, schreien mich die Berge an, ich habe Bauchweh und mir wird übel, weil ich weiss, dass auch wir in Europa Krähen sind. Und wenn man das Blut der Indianer an den Hängen der Apalachen, der Rocky Mountains und der Anden am Abend im Firn glühen sieht, dann riecht es von Vancouver bis San Diego und Montreal bis Miami nach üblen Krähen.

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