Unruhe-Zülfü Livaneli
Unruhe
Ein Journalist wird jäh aus dem anonymen istanbuler Grosstadtleben gerissen. Die Todesnachricht eines Freundes zwingt ihn sich in seine Heimatstadt Mardin zu begeben. Mardin liegt im Südosten der Türkei, nahe der Grenze zu Syrien.
In Mardin angekommen, erinnert sich der Journalist an seine Jugendzeit und somit auch an seinen Schulfreind Hüseyin. S17. "Ueberhaupt steckte er (Hüseyin) voller Todesgedanken. Von dem roten Winde behauptete er, der werde uns als Zeichen für den Jüngsten Tag geschickt, damit wir uns nicht mit irdischem Tand begnügten. Da lachten wir nur, bis uns vor lauter Wüstensans im Mund die Zähen knirschten, dann hielten wir uns irgendein Tuch vors GEscht und machten, dass wir nach Hause kamen----"
Hüseyin war bereits als Junge sehr sensibel und ahnte, was kommen würde. Die vermeintliche Leichtigkeit des istanbuler Seins, sollte durch die unbarmherzige Realität im Süden des Landes zerrissen werden.
Hüseyin hatte Kriegsflüchtlinge in Lager an der syrischen Grenze betreut. Dabei hat er sich in eine Jesidin verliebt, welche da mit ihrem blinden Kind lebte. Hüseyin wurde deswegen in Madrin angefeindet und angeschossen. Weil auch seine jesidische Freundin bedroht wurde schickte er sie nach Istanbul. Hüseyin flieht nach Amerika und will dort angekommen auch seine Freundin ins Land der Freiheit holen. Doch wird er in Jacksonville von Rechtsextremen ermordet, welche keine Muslime auf amerikanischem Boden akzeptieren.
Der Journalist erfährt die unglaubliche Geschichte des jesidischen Volkes und dass diese mehreren Genoziden ausgesetzt waren. Der islamische Staat hat Dorf für Dorf der Jesiden (Esiden) eingenommen. Die Männer getötet und die Frauen und Mädchen als Sex- und Arbeitssklavinnen missbraucht.
Einerseits die tolerante Religion der Jesiden, andererseits der Bestialität der das Volk ausgesetzt ist. Der Journalist dreht fast durch. Das Buch endet damit, dass er einen Bericht über die Jesiden schreiben soll, welche an der bulgarischen Grenze gestrandet sind. Europa will die Flüchtlinge nicht. Die Türkei erhält Geld, um die Flüchtlinge irgendwie unterzubringen.
Im Buch geht es um Identität, Menschsein, Hoffnung, Sinn und die Banalität des Bösen! Ein ganz grosses und wichtiges Buch!



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