Auf der Suche nach Umm Kolthum








Ein schwüler Sonntag. Kopfschmerzen, weil ich in der Nacht zu einem Notfall musste. Erst um 4: 00 fand ich den Schlaf mit Unterbrüchen bis gegen Mittag. Um 12:00 stehen am Himmel bereits dickste Gewitterwolken. Sommerkino ist angesagt, in Bern läuft ein Film über Umm Koulthum.

Hier ein instrumentaler Vorgeschmack. Umm war bekannterweise auch "Dirigentin" ihres Orchesters!










Und ich fahre mit dieser Musik "äm Nil na" bis zur Ausfahrt "Ostring" in Bern. Im gut klimatisierten Saal (Cinema Movie) tauchen wir (bloss drei Zuschauer) in die Welt von Umm Kulthoum ein.

Der Film ist schnell erzählt. Die Lebensgeschichte der Mutter des klassischen arabischen Gesangs Umm Koulthum, will von einer US-iranischen Regisseurin gezeigt werden. Voller Enthusiasmus castet die Iranerin in Aegypten Schauspieler. Die Euphorie im Filmteam ist anfänglich gross, doch gerät sie bald ins Wanken. Die ägyptischen Schauspieler sind mit dem Drehbuch in wesentlichen Punkten nicht einverstanden.  Umm Koulthum sei die Stimme des Volkes und nicht eine selbstverliebte Diva, welche jegliches persönliche Gefühl dem eigenen Ruhm unterwerfe. Enige meinen sogar, dass  man Umm Koulthum nur begriffen könnte, wenn man die Worte ihrer Lieder verstehe. Für eine Iranerin, die bloss Farsi und Englisch spreche, bleibe Umm Koulthum unfassbar. Als dann auch noch der seit Jahren vernachlässigte Sohn der Regisseurin aus dem Iran per SMS zu rebellieren beginnt, zerbricht die Filmidee komplett. Die Regisseurin will nun nicht mehr eine tadellose Diva zeigen, sondern eine Sängerin mit Schwächen. Doch bereits bei der ersten Szene in welcher Umm Koulthum schwächelt, wird sie von den Produzenten (Geldgebern) harsch zurückgepfiffen. Der Film funktioniere "rentiere" nur, wenn Umm Kalthoum darin die makellose (unantastbare) Ikone Arabiens bleibe. Die Iranerin schmeisst den Bettel hin, will sich ihrer Familie widmen und dreht den Produzenten den Rücken zu.

Eine erfolgsverwöhnte, emanzipierte Regisseurin will das Leben einer der ersten erfolgreichen Feministinnen (Umm Koulthum) zeigen und zerbricht innerlich und äusserlich daran.

Der Film stellt einige Fragen. Wo sind die Grenzen der Emanzipation? Was ist die Rolle des Mannes und jene der Frau in der Gesellschaft? Wie gehen die Geldgeber mit der Wahrheit um? Wie viel Politik und Sozialkritik erträgt ein biographischer Film?

Oum Koulthum  sang für König Faruq, aber auch für den folgenden Panarabisten Nassr. Kritik an der Unterdrückung (Kolonialmächte) wurde von Umm Kulthoum zwar auch geäussert, aber sie trat auch vor europäischen Gästen und gab ein legendäres Konzert im Olympia in Paris. Umm Koulthum diente vielen und bleibt wohl gerade auch deshalb unergründlich.  Umm Koulthum stammt aus ärmsten Verhältnissen aus dem Nildelta. Sie ist Vorbild für die Masse gerade  auch der ärmsten Araber. Sie musste sich als Knabe verkleiden bei den ersten Auftritten. Sie kämpfte sich in einer sehr machistischen an die Spitze. Sie ist deshalb auch eine Ikone der Feministen. Jegliche politische Wirren überstand sie heil und blieb immer die Grande Dame der jeweiligen Eliten und gleichzeitig immer die Mutter aller Araber.  Umm die Primadonna und Umm die Stimme des Volkes. Eine Mutter für alle, weshalb hat man sie nicht Gaya genannt??

Die Regisseurin im Film ist das Alter Ego der iranischen Regisseurin Shirin Neshat. Am Schluss bleibt eine gebrochene Regisseurin, welche daran scheiterte das Risse im heilen Bild der unantastbaren Umm Koulthum zu zeigen.

Nach dem Film hatte ich keine Kopfschmerzen mehr, dafür einen schweren Kopf und einen leeren Magen. Ich watete durch den aufgeweichten Asphalt zum Pakistaner. Er war für Kroatien, ich drückte Frankreich den Daumen. Frankreich gewann die Fussball-WM zum zweiten Mal. Ob das Umm interessiert hätte, weiss ich nicht. Und bei leckerem Essen haben wir über Pakistan, Indien, Afghanistan Bangladesh und die Kolonialherren USA, UK, FR gesprochen. Auch darüber könnte man einen Film drehen,  doch würde wohl die Wahrheit von den Produzenten so zurechtgestützt, dass der Film nicht mehr wertvoll wäre. Deshalb lassen wir es, zahlen und fahren "dr Aare na"  heim.



Zum Schluss noch ein Konzert von Umm Kulthoum, der mysteriösen Ikone.






Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

Apartheit

Unruhe-Zülfü Livaneli